Die englische Touristin Jemima Morrell zollte im Jahr 1863 dem Weg von Grindelwald auf die Stieregg am Unteren Grindelwaldgletscher furchtvollen Respekt: «Ein falscher Tritt, und alles wäre vorüber gewesen!», rief sie, wohlbehalten vom Abenteuer zurück, in ihren Reiseerinnerungen aus. Und auch sonst bot der Ausflug den Reisenden im 19. Jh. Gelegenheit, ihren Mut unter Beweis zu stellen. So etwa auf der «glazialen Hühnerleiter», von der Berghütte zum zerfurchten Gletscher. Diese Leiter suchen wir heute vergebens, denn der Gletscher hat sich so stark zurückgebildet, dass jeder Abstieg unmöglich ist. Aber auch so ist die Stieregg ein interessantes Ausflugsziel, und der in den Fels gesprengte Weg hat nichts von seiner Ein- drücklichkeit verloren. Dank Sicherungen ist er heute gefahrlos zu begehen. Der Weg geht auf die Anfänge des Tourismus im Berner Oberland zurück: 1821 unterstützte die Berner Regierung seinen Ausbau, da das «Eismeer», der Untere Grindel- waldgletscher, eine der wichtigsten Touris- tenattraktionen jener Zeit war. Zwei Jahre später entstand eine Schutzhütte auf der Stieregg, die von Hirten, Jägern, Touristen und Forschern benutzt wurde. Bis in die jüngste Zeit hat diese Gaststätte eine bewegte Geschichte erlebt.
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